Glossar: T-Z
Totalitarismus
Begriff, der das Herrschaftsprinzip einer Staatsführung kennzeichnet, die die totale Verfügungsgewalt über die Gesellschaft und alle Lebensäußerungen ihrer Mitglieder beansprucht. Der totalitäre Staat sucht seine Bürger gleichzuschalten, durch eine Ideologie zu formen und zu mobilisieren. Diejenigen, die sich seinen Ansprüchen nicht unterwerfen, werden ausgegrenzt, gegebenenfalls vernichtet.
Triumvirat
(das; lateinisch), im alten Rom ein aus drei Mitgliedern bestehendes Beamtenkollegium, das für verschiedenste Aufgaben nach Bedarf eingesetzt wurde. Davon ist das Triumvirat zu unterscheiden, bei dem die drei nicht gewählt wurden, sondern sich nach eigenem Gutdünken zusammenschlossen. Ein solches privates Triumvirat war das sog. 1. Triumvirat, das Cäsar, Pompeius und Crassus 60 v. Chr. und 56 v. Chr. bildeten, um ihre Forderungen besser durchsetzen zu können. Im 2. Triumvirat wurden Octavian, Antonius und Lepidus im November 43 v. Chr. durch Volksbeschluss zunächst für fünf Jahre mit fast unbeschränkten Vollmachten ausgestattet.
Truman Doktrin
Inoffizielle Bezeichnung für die in einer Erklärung des US-amerikanischen Präsidenten Truman vom 12. 3. 1947 verkündete Bereitschaft der USA, den durch kommunistische Bewegungen und Staaten bedrohten Ländern wirtschaftliche, finanzielle und militärische Hilfe zu gewähren.
Tyrannis
(griechisch-latein) Bezeichnung einer Gewaltherrschaft.
UdSSR
Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR), Name des von Lenin 1922 gegründeten und bis 1991 bestehenden kommunistischen Staates. Die ehemaligen Sowjetrepubliken wurden 1991 selbständige Nationen.
Ulbricht
Walter, Politiker (SED), * 30. 6. 1893 Leipzig, † 1. 8. 1973 Berlin; Tischler. Seit 1950 war er Generalsekretär bzw. Erster Sekretär (1953) des ZK der SED, seit 1949 außerdem Stellvertretender Ministerpräsident der DDR; 1960 trat er als Vorsitzender des Staatsrats auch formell an die Spitze des Staates. 1971 wurde er - wohl hauptsächlich wegen seines Widerstands gegen die sowjetische Entspannungspolitik - als Parteichef durch E. Honecker abgelöst; er wurde (Ehren-) Vorsitzender der SED und blieb Vorsitzender des Staatsrats.
UNO
Vereinte Nationen, englisch United Nations (Organization), Abkürzung UN (UNO), am 26. 6. 1945 auf der UN-Konferenz von San Francisco von 50 Staaten (und Polen, das auf der Konferenz nicht vertreten war) aufgrund der Konferenzbeschlüsse von Moskau, Jalta und Dumbarton Oaks gegründete Vertragsorganisation souveräner und gleichberechtigter Nationen. Am 24. 10. 1945 (Tag der UN) trat die Charta der UN in Kraft.
Ziele sind: Sicherung des Weltfriedens durch Vermittlung und schiedsgerichtliche Entscheidung, Beobachtung und Untersuchung von Konflikten u. a. durch die Entsendung von UN-Streitkräften (UNO-Friedenstruppen, sog. "Blauhelme”), durch diplomatische, wirtschaftliche und militärische Sanktionen und durch Abrüstungsmaßnahmen. Zur Schaffung der positiven Friedensbedingungen fördern die UN die Menschenrechte, schließen Diskriminierung aus und fördern die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung und Zusammenarbeit.
Die Mitgliedschaft steht allen "friedliebenden” Staaten auf Antrag offen. Anfang 2000 hatten die UN 188 Mitglieder.
Verbände
Verbindung von Personen zur Verfolgung eines gemeinsamen Zieles oder Wertes.
Verfassung
Die Verfassung bestimmt die politische Grundordnung eines Staates.
Volk
Im weiteren Sinne bezeichnet man als Volk Personen, die durch eine gemeinsame Kultur, Sprache, Herkunft, Geschichte auszeichnen. Aus staatsrechtlicher Sicht sind es alle Angehörigen eines Staates.
Voltaire
Eigentlich François-Marie Arouet, französischer Schriftsteller und Philosoph, * 21. 11. 1694 Paris, † 30. 5. 1778 Paris. Voltaire ist der bedeutendste Vertreter und der Führer der europäischen Aufklärung; er gilt als Verkörperung des französischen esprit. Seine Werke umfassen das gesamte Ideengut der Epoche. Voltaire verteidigte Toleranz, Menschenrechte und -würde und Vernunft. Auch in seinen Dichtungen vertrat Voltaire seine aufklärerisch-philosophischen Ideen.
Verhältniswahl
Neben der Mehrheitswahl einer der beiden Grundtypen der Wahlsysteme. Bei der Verhältniswahl werden Listen von Parteien gewählt, nicht einzelne Abgeordnete in Wahlkreisen. Der Liste werden alle Stimmen zugeordnet, die eine Partei in einem Wahlgebiet errungen hat, die Bewerber auf der Liste kommen in der Reihenfolge ihrer Platzierung zum Zuge.
Volksbegehren
(auch Volksinitiative / Volksantrag): ein Instrument direkter Demokratie, mit dem die Wahlbevölkerung dem Parlament eine Gesetzesvorlage unterbreiten kann. Wird diese innerhalb einer bestimmten Frist nicht vom Parlament verabschiedet, kann ein Volksentscheid herbeigeführt werden.
Volksentscheid
Ein Instrument direkter Demokratie, mit dem die wahlberechtigten Bürger unmittelbar in einer Abstimmung eine politische Entscheidung treffen können, zum Beispiel über einen aus dem Volksbegehren stammenden Gesetzesentwurf oder über eine von Regierung / Parlament vorgelegte Sachfrage.
Volkspartei
Partei, die mit ihrer Programmatik nicht nur bestimmte Schichten oder begrenzte Interessengruppen ansprechen will, sondern alle Bevölkerungskreise
Volkssouveränität
Grundlegendes demokratisches Prinzip, das besagt, dass alle Staatsgewalt vom Volk ausgeht.
Wahlen
Verfahren zur Besetzung eines oder mehrer Ämter.
Warschauer Pakt
Warschauer Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand, am 14. 5. 1955 nach Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zur NATO und nach deren formalem Vorbild zwischen den kommunistischen Staaten Europas (Bulgarien, DDR bis 1990, Polen, Rumänien, Sowjetunion, Tschechoslowakei, Ungarn, bis 1968 Albanien) für 20 Jahre geschlossenes Kollektivverteidigungsbündnis (1975 um 10, 1985 um 20 Jahre verlängert) mit automatischer Beistandspflicht, Vereinigtem Oberkommando und unterstellten Truppen.
Infolge des politischen Umbruchs in Osteuropa wurden die militärischen Strukturen des Warschauer Pakts 1991 aufgelöst. Am 1. 7. 1991 beschlossen die verbliebenen Mitglieder die endgültige Auflösung der Organisation.
Weimarer Republik
Die republikanisch-demokratische Staatsform Deutschlands in den Jahren 1918-1933, benannt nach dem Ort, an dem die verfassunggebende Nationalversammlung vom 6. 2. bis zum 30. 9. 1919 tagte. Die Weimarer Reichsverfassung ging vom Prinzip der Volkssouveränität aus.
Wilhelm I.
König von Preußen 1861-1888, Deutscher Kaiser 1871-1888, * 22. 3. 1797 Berlin, † 9. 3. 1888 Berlin.
Wilhelm II.
Deutscher Kaiser und König von Preußen 1888-1918, * 27. 1. 1859, † 4. 6. 1941. Enkel von Wilhelm.I., Sohn von Kaiser Friedrich.III. Nach seiner Thronbesteigung (15. 6. 1888) entfremdete sich Wilhelm schnell durch seine Sozialpolitik Bismarck, den er 1890 zum Rücktritt zwang, ohne selbst in der Lage zu sein, das Reich konsequent zu führen. Im 1. Weltkrieg ließ er sich von der Obersten Heeresleitung fast ganz ausschalten. Nach dem militärischen Zusammenbruch des Deutschen Reichs im 1. Weltkrieg legte Wilhelm am 10. 11. 1918 die Kaiserwürde ab.

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